"Entdecke die Stille in Dir"

Sonntag 12. November, 18.00 Uhr

mit einem Bild von Dorothea Hammrich

Monochord und Taizélieder: Gruppe AMOROSA, Cadolzburg

nachfolgend alle Texte zur Stille

 

Text 1

Zu einem Mönch, der in einem einsamen Kloster lebte, kamen Leute und fragten ihn: "Was für einen Sinn siehst du in deinem Leben in dieser Stille und Einsamkeit?" Der Mönch war gerade dabei, im Klosterhof mit einem Eimer Wasser aus dem Brunnen zu holen. Er sagte zu den Besuchern: "Schaut in den Brunnen hinein, was seht ihr da?" Sie schauten in die Tiefe: "Wir sehen gar nichts."

Nach einer Weile forderte der Mönch die Besucher noch einmal auf, in den Brunnen zu blicken. Als die Leute sich über den Brunnenrand beugten, fragte er sich: "Was seht ihr jetzt?" Sie antworteten: "Nun sehen wir uns selbst."

Da sagte der Mönch: "Als ich vorhin Wasser geschöpft habe, war das Wasser noch unruhig. Jetzt ist es ruhig geworden. Das ist die Erfahrung der Stille: Man sieht sich selbst. Und wenn man mit sich selbst zur Ruhe gekommen ist, sieht man auch die Welt mit ganz anderen Augen - und Gott."

Die Menschen waren still geworden. Freundlich verneigte sich der Mönch vor ihnen und ging über den Hof ins Kloster zurück.

 

Text 2
Graf Dürckheim

Wo der Mensch im Einklang ist mit seinem Wesen, erfährt er die Stille des Seins.

Natur, wo sie ganz bei sich selbst ist, hat Stille um sich. So ein Baum, einfach, wie er da steht und gar nichts anderes will. Oder ein Reh, ganz versunken in seiner Weise, Nahrung aufzunehmen. Oder ein Kind, das mit ungeheurem Ernst seinem Spiel hingegeben ist, ganz darin verwoben - das ist die Stille, Leben bei sich selbst.

Auch mitten im Lärm ertönt die Stille des Seins, tönt ihren ewigen Ton. Kein menschliches Ohr kann ihn hören. Doch ihn zu hören: das ist es. Nicht dort schon, wo der Lärm der Welt einmal schweigt, ist die Stille des Seins. Es hängt an der Weise zu hören, ob in der Stille der Welt oder auch mitten im Lärm der Mensch die Stille des Seins vernimmt.

 

Text 3
Hildegunde Wöller

 

Throne

Wir sind die Throne, die Gebete und Gesänge,
über denen Gott wohnt.
»Heilig, heilig, heilig bist Du, Gott«,
ist unser Ewiger Gesang.
Wir genießen das Einssein mit Gott,
das Ruhen in seiner ewigen Gegenwart,
das Sein in seiner heiligen Vollendung.
wir sind die Engel der Meditation und der Versenkung,
der Stille und der inneren Einkehr.
wir singen euch von der ewigen Heimat,
aus der ihr kommt und auf die ihr zugeht.
wir singen euch, dass ihr geliebt seid
von Anbeginn der Welt bis zu ihrer Vollendung.
wir singen euch, dass ihr schon hier
in jedem Augenblick daheim seid in Gottes ewiger Liebe.
wir singen euch den Frieden
des Säuglings an der Mutterbrust,
das selige Einssein von Gott, Seele und Welt.
wir singen euch das Lied der Heimkehr
und das Aufgehobensein
in ewiger Schönheit und Harmonie.

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